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Trollstigen und Atlantikstraße – wir nehmen die Tourimagneten unter die Räder

Auf unserem Roadtrip durch Norwegen und unserer ersten Reise durch das Land wollen wir ein paar der viel gerühmten Strecken fahren und uns selbst ein Bild machen. Sowohl die Trollstigen als auch die Atlantikstraße gehören zu den Norwegischen Landschaftsrouten und sind 2 der insgesamt 18 Routen. Wie der Name schon sagt, führen sie durch besonders sehenswerte Landschaften (wo gibt es die in Norwegen nicht?) und sind touristisch erschlossen.

Die Fahrt über die Trollstigen (Trollleiter) ist unsere erste Station. Sie liegt zwischen Valldal und Åndalsnes und ist seit jeher eine der bekanntesten Straßen in Norwegen. Die Passstraße liegt inmitten von Bergen und du kannst ihr von Juni bis September einen Besuch abstatten.

Wir beginnen unsere Tour unweit vom Geirangerfjord in Valldal. Dort fahren wir im Sonnenschein Richtung Norden und erreichen kurze Zeit später den Aussichtspunkt oberhalb der Serpentinenstrecke. Schon hier wird klar: trotz früher Uhrzeit sind wir Ende Juli mitnichten die Einzigen mit der tollen Idee, die Trollstigen zu fahren.

Vor dem Souvenirshop und Lokal stehen unzählige Motorräder, Wohnmobile und Autos, deren Besitzer im Sonnenschein ein Bier oder Kaffee trinken. Wir parken die Motorräder und machen uns auf den Weg zum Aussichtspunkt. Dieser liegt auf ca. 800 Höhenmetern und bietet bei schönem Wetter ein tolles Panorama. Von oben werfen wir einen Blick auf die 11 Haarnadelkurven, die diese Straße so besonders machen. Was wir da entdecken, lässt unser Motorradfahrerherz allerdings nicht vor Freude höher schlagen. Quälend langsam schieben sich die vielen Gefährte die Strecke hoch. Wir genießen dennoch den Blick über die beeindruckenden Wasserfälle, die hier steil die hohen Felsen hinab fallen. Klar war uns bewusst, dass dies ein Touristenmagnet ist, aber so schlimm haben wir uns den Andrang doch nicht vorgestellt.

Bevor wir uns noch allzu sehr grämen, nehmen wir die Trollstigen in Angriff. Rauf auf die Motorräder und rein in die Kurven. Ich gebe Thorsten ein Zeichen, dass wir uns unten am Fuß wieder treffen. Bei Serpentinenstraßen ist er immer schneller unterwegs als ich. Doch hier bremse nicht ich ihn aus, das übernehmen heute andere für mich.

12 % Gefälle zwingt die Kolonne aus Bussen und Wohnmobilen zur Schneckengeschwindigkeit. Auf beiden Spuren tuckern die Gefährte vor sich hin. An manchen Stellen ist die Straße so schmal, dass ein Ausweichen kaum möglich ist. Thorsten wagt ein paar Überholmanöver, doch das hilft alles nichts. Unten angekommen, 405 Höhenmeter später, treffen wir uns am Straßenrand mit Blick auf die Strecke wieder.

Thorsten ist entnervt und enttäuscht. Das Panorama ist toll, fahrtechnisch ist die Strecke allerdings kein Genuss. Das hätten wir uns sparen können. Denn tolles Panorama hast du in Norwegen an buchstäblich jeder Ecke und meist ganz für dich allein. Auf der Trollstigen teilst du dir die atemberaubende Landschaft mit unzähligen Touristen. Im Nachhinein checken wir nochmal im Internet: es sind mehrere hunderttausend Menschen im Jahr! Wir machen dennoch am Fuße der Straße ein paar Fotos und schwingen uns dann relativ zügig wieder auf die Motorräder.

Unser Fazit: Absolut kein Muss. Tolle Strecken gibt es in Norwegen genug und die musst du dir selten mit anderen Fahrern teilen. Selbst im Juli (unser Reisezeitraum) hatten wir unglaubliche Gebirgsstrecken und Aussichten für uns allein. Daher würden wir nicht noch ein Mal die Trollstigen anfahren.
Weitere Fakten, Infos und Bilder zur Trollstigen:

Wikipedia

Visit Norway

Norwegian Scenic Routes

Nächster Halt: Atlantikstraße (Atlanterhavsvegen)

Nach dem aus Motorradfahrersicht enttäuschenden Start in den Tag setzen wir unsere Fahrt Richtung Norden fort. Es geht wieder an die Küste. Und zwar nach Vevang. Hinter dem kleinen Ort beginnt die Atlantikstraße, in die wir nun unsere Hoffnung auf ein Stück Traumstraße setzen.

Die Atlantikstraße ist zwar nur 8 Kilometer lang, hat es aber in sich. Über 8 Brücken und mehrere kleine Inseln geht es bis nach Averøy. Ursprünglich sollte hier eine Eisenbahn verkehren, 1989 wurde die Straße dann aber für Autos und Motorräder eröffnet. Seitdem hat sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen eingeheimst, u.a. ist sie 2005 zum „norwegischen Bauwerk des Jahrhunderts“ gekürt worden. Da liegen die Erwartungen ganz schön hoch, oder? Wir überzeugen uns vor Ort und schauen, ob die viel gerühmte Straße hält, was sie verspricht.

Unsere Tour beginnt mit einer für Norwegen typischen Fährfahrt ab Åfarnes. Dank des Tipps eines norwegischen Campingplatzbesitzers in Valldal fahren wir einen kleinen Schlenker über Elnesvågen und Bud. Durch kleine Küstenorte, das Meer immer im Blick, gelangen wir nach Vevang. Kurz wird unsere Stimmung durch heraufziehende Wolken getrübt, doch der Wettergott ist uns heute wohlgesonnen. Direkt hinter Vevang, als wir den Blick auf die erste Brücke werfen, strahlt die Sonne wieder vom Himmel. Im Unterschied zur Trollstigen begegnen uns hier vor allem Motorradfahrer. Aus aller Welt sind sie unterwegs, um Norwegens schönste Strecken zu fahren.
Am meisten beeindruckt uns Rainer aus Wermelskirchen. Er ist mit seiner Suzuki GSX (einem Sporttourer) in sehr gebückter Haltung unterwegs, und mit seinen 69 Jahren super drauf. Alleine von Deutschland nach Norwegen auf dem Motorrad. Rainer zeigt uns seine selbst entworfene und eigenhändig gefertigte Gepäckhalterung. Dadurch ist alles an seinem Platz, auch die dicke Matratze, weil ja "ein bisschen Komfort sein muss". Das nennen wir mal abenteuerlustig.

Und wir können festhalten: die Fahrt über die Atlantikstraße lohnt sich wirklich. Das tosende, raue Meer zu beiden Seiten, den Wind im Gesicht und die geschwungenen Brücken über die Inseln unter den Rädern - ein wunderbares Erlebnis. Wir fahren hin und her, hier kommt fast schon Achterbahnfeeling auf, es kribbelt in der Bauchregion. Motorradfahren macht auf dieser Straße richtig Spaß. Aber auch beim Zwischenstopp auf einer der Inseln kriegen wir das Lächeln kaum aus dem Gesicht. Die Einheimischen angeln und kleine Boote fahren unter den Brücken hindurch. Die Möwen kreischen und der Blick auf die Atlantikstraße inmitten des schimmernden Blaus ist atemberaubend. Idylle pur. Der Wind legt sich und ein Gefühl von Zufriedenheit macht sich in uns breit.

Wir sind uns einig: die Atlantikstraße ist eines unserer Highlights auf dem bisherigen Roadtrip durch Norwegen. Raue Landschaft, das Meer und absolutes Fahrvergnügen - das ist für uns kaum zu toppen. Wenn du also noch zweifeln solltest, welche der Strecken du in deiner Reiseplanung berücksichtigen sollst: Vergiss Trollstigen und fahr die Atlantikstraße!

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Weitere Infos zur Atlantikstraße und noch mehr Bilder:

Wikipedia

Visit Norway

Norwegian Scenic Routes

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Hat dir unser Beitrag gefallen? Hast du Fragen oder Anregungen? Lass uns doch einen Kommentar da und gib uns ein Feedback. Darüber freuen wir uns riesig. Noch mehr Infos und Berichte über unsere Zeit in Norwegen findest du übrigens hier. Warst du eigentlich schon am Geirangerfjord? Auch da gibt es ein klasse Panorama über dem Fjord und Serpentinen zum Hinabkurven!
Anja
Hey, ich bin Anja, 29 Jahre alt und seit Juni 2017 mit Thorsten und meiner Kawasaki auf Reisen. Meinen Job habe ich aufgegeben, um mich voll und ganz dem Reisen zu widmen. Auf unserem Blog Movinminds.com schreibe ich die Texte und lasse dich so an unserem Abenteuer teilhaben.

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