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Deutschland – Abschied, Fischbrötchen und viel Sonnenschein

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Nachdem wir unsere Abfahrt immer wieder verschoben haben, soll es am Montag, 19. Juni 2017, soweit sein. 30 Grad, Sonnenschein und wir wollen nur noch ein paar Kleinigkeiten erledigen: Packen, aufräumen, die letzten Klamotten in Straelen in den Keller verstauen, die Website fertig stellen und erste Fotos posten… Für die Kleinigkeiten brauchen wir fast bis 16 Uhr. Die Laune ist entsprechend angeschlagen. Planung nicht einhalten fühlt sich doof an. Noch. Als es los gehen kann, fließen Tränen. Der Abschied fällt schwer. Ich habe mich schnell an das Zusammenleben mit meiner Mutter und ihrem Mann gewöhnt und bin nach mehr als 2 Wochen ziemlich traurig. Wer weiß, wann wir uns wiedersehen? Doch dann rollen wir mit unseren Motorrädern. Ich eher holprig um die ersten Kurven.
Gut, dass die Sonne strahlt und wir wissen, dass es heute nicht viele Kilometer werden. Das Steinhuder Meer, unser ursprüngliches Ziel für den ersten Tag, schaffen wir nicht. Mit unseren Headsets können wir während der Fahrt miteinander sprechen, aber die erste Stunde auf der Straße hängen wir beide unseren Gedanken nach. Was wird uns erwarten? Wo kommen wir in einer Woche oder einem Monat an? Ein komisches Gefühl, nichts langfristig zu planen.
Wir fahren drauf los, die Straßen sind angenehm leer und landen abends in der Nähe von Osnabrück (Campingplatz Niedersachsenhof). Mit einem Schluck aus unserem Flachmann stoßen wir auf den ersten Tag unserer Reise an. Danke an Harald für Gefäß und Füllung! Unser Tagesabschlussritual ist nun klar. Die erste Nacht im Zelt. Der Aufbau klappt hervorragend, unser Zelt (Vango Omega 350) hat Thorsten sehr gut ausgesucht. Auch wenn wir erst um 22 Uhr endlich drin liegen. Am nächsten Morgen gibt es den ersten Dämpfer - keinen Kaffee oder Tee, wir haben das falsche Gas für den Campingkocher dabei. Nun muss der passende Laden her, um Ersatz zu besorgen. Da wir bei unserer Wanderung in Frankreich auf ultraleichte Ausrüstung gesetzt haben, gibt es das Gas für unseren Kocher nicht im nächsten OBI. Zum Glück ist mit einem kleinen Umweg ein Campingspezialist auf unserer Strecke und wir bekommen eine große Kartusche mit dem richtigen Gas. Die Sonne brutzelt vom Himmel und in unserer Textilkombi ist es kuschelig warm, vor allem bei den vielen Stopps am Vormittag. Mehr Fahrtwind bitte. Thorsten als Experte für den Norden, in Bremen geboren und in Delmenhorst aufgewachsen, schlägt Plön als Tagesziel vor. Wir sind beide liebend gerne am Wasser, ob nun Fluss, See oder Meer, und Plön in Schleswig-Holstein liegt genau richtig. Da wir die Autobahnen meiden, führt uns die Fahrt durch viele kleine Orte und nachmittags nehmen wir von Wischhafen die Fähre über die Elbe. Hier bekommen wir die Abkühlung, die wir brauchen. Die Gischt spritzt hoch und wir freuen uns, den zweiten Tag unserer Reise im Norden zu verbringen.
Als wir gegen Abend in Plön ankommen, ist es merklich abgekühlt. Unsere dicken Pullis liegen zuhause in Straelen, in den Packtaschen war kein Platz mehr. Wärmere Kleidung werden wir weiter nördlich noch mehr vermissen. Nach einem Abstecher in eine kleine Tapasbar und zum Supermarkt, sind wir wieder spät auf dem Campingplatz (Naturcamping Spitzenort). Kurz unseren Blog aktualisieren, ein Bild bei Facebook und Instagram posten, die warme Dusche genießen. Schon am zweiten Tag merken wir, dass nicht nur Auf- und Abbau, Ein- und Auspacken, Nahrungssuche und -zubereitung viel Zeit in Anspruch nehmen. Ohne W-Lan ist auch der tägliche Onlinebericht aufwändig. Wir sind gespannt, wie das außerhalb von Deutschland klappen wird. Mittwoch morgen machen wir uns in der Sonne am Plöner See unser erstes richtiges Campingfrühstück. Tee und Kaffee, frisches Obst und Brot, so lässt es sich leben. Hier am See würden wir es auch länger aushalten, aber uns zieht es weiter gen Norden. Bevor wir heute die Grenze nach Dänemark überqueren, kommen wir an Kiel und Eckernförde vorbei. Strand, Sonne, Ostseewind - das Leben ist schön. Wenn diese Motorradkleidung nicht so sonnenstrahlenundurchlässig wäre, könnte wir glatt braun werden.
Auf der Suche nach einem Fischbrötchen für Thorsten machen wir Halt in Flensburg. Am Hafen treffen wir auf einen netten Herrn von der Museumswerft, der uns viel über den Museumshafen, die Restauration von Booten und den beinahe neuen Lastkran erzählt. Leider haben wir seinen Namen nicht erfragt. Melde Dich, solltest Du das lesen. Und dann schlendert Herrmann um die Ecke. Herrmann wohnt in Hannover, ist Fahrer einer 40 Jahre alten Yamaha, braun gebrannt und war schon viel auf Tour. Gerade ist er von Rømø zurück. Wir werden unseren ersten Movinminds-Aufkleber los. Er erzählt, wir erzählen, er erzählt und so fort. Leider wollen wir weiter. Wir sind uns sicher, dass es ein kurzweiliger Nachmittag geworden wäre. Und wo treffen wir die beiden? An der Fischbude, genauer bei Ben's Fischhütte. Thorsten hat bei einem Ausflugskartenverkäufer nachgefragt, wo es denn wohl die besten Fischbrötchen gibt. Antwort: „Do hinten bei der kleinen schwarzen Bretterbudääää.“ Zwei vorbei gehende ältere Damen nicken heftig. Also nichts wie hin. Und tatsächlich; es gibt Matjesbrötchen für Thorsten - gleich zwei - ist schließlich früher Nachmittag. Die waren groooßartig, wie unser Kollege Johannes zu sagen pflegte. Butterweiche Matjes, gekrönt mit selbstgemachter Remoulade mit richtigen Apfelstückchen, Salat, Tomate in warmem(!) Brötchen. Köstlich, köstlich, köstlich. Der Preis von 3,50 Euro ist für diese Portion ein Witz. Danke Ben! (Thorsten hat mir so vorgeschwärmt, für mich ist das nichts). Ein paar Meter hinter Flensburg überfahren wir die Grenze zwischen Deutschland und Dänemark, die erste unserer Reise. Keine Taschendurchsuchung, keine Passkontrolle, wir werden nett durchgewinkt. Tschüss, Deutschland. Hej Danmark! Nach 3 Tagen sind wir raus aus unserem Heimatland und im Ausland.
Anja
Anja
Hey, ich bin Anja, 29 Jahre alt und seit Juni 2017 mit Thorsten und meiner Kawasaki auf Reisen. Meinen Job habe ich aufgegeben, um mich voll und ganz dem Reisen zu widmen. Auf unserem Blog Movinminds.com schreibe ich die Texte und lasse dich so an unserem Abenteuer teilhaben.

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