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Von Odda nach Bergen – im Sonnenschein durch Norwegens Regenhauptstadt

Nach unserer Wanderung zum Kjeragbolten am Lysefjord haben wir uns direkt die nächste sportliche Herausforderung in Norwegen ausgeguckt. Wandern macht uns einfach Spaß. Sich richtig auszupowern und dann die Aussicht vom Gipfel genießen zu können, ist jedes Mal etwas besonderes. Die Entscheidung zwischen dem Preikestolen (auch am Lysefjord) und der Trolltunga fiel schwer, ist dann aber doch für die Trolltunga gefallen. Ja, was nach Trollzunge klingt, heißt auch wirklich so. Die Zunge ist 10 Meter lang und ragt über den Sørfjord nahe Odda hinaus. An der Spitze, die nur wenige Zentimeter breit ist, geht es 700 Meter in die Tiefe. Die Wanderung dorthin ist nicht ohne, 10 - 12 Stunden für 28 Kilometer. Aber wer nicht wagt, verpasst einige spektakuläre Aussichten. Leider sollte es für uns dann doch ganz anders kommen.

Nun aber von Anfang an. Von Lysebotn (unserer letzten Station) nach Odda sind es ca. 270 Kilometer und mehr als 4 Stunden Fahrt. Wir brechen früh auf, vor allem um auf den Bergstraßen hinter Lysebotn nicht auf allzu viel Gegenverkehr zu stoßen. Das macht sich bezahlt. Wir fahren die Serpentinen hinauf und können die grandiosen Ausblicke richtig genießen. Gebirgsseen, in denen sich die Sonne spiegelt, felsige Landschaft entlang der Straße und viele Schafe, die sich ganz entspannt auf der Fahrbahn niederlassen. Wir sind wieder restlos begeistert und zum Beginn dieses Fahrtages schon richtig gut drauf. Zum Glück schaffen wir es auch noch mit den letzten Tropfen Sprit bis zur nächsten Tankstelle. Dort gibt es erstmal eine kleine Stärkung. Direkt angrenzend stehen ein paar ziemlich bewachsene, begrünte Häuser, die ein wenig an Mittelerde und die Herr der Ringe Szenerie erinnern.
Auf dem weiteren Weg decken wir uns mit den ersten norwegischen Kronen ein, die wie Monopoly-Spielgeld aussehen. Wir finden einen tollen Rastplatz am Fluss hinter Bykle, wo wir in der Sonne entspannen und sogar noch ein paar schöne Bilder schießen. Außer uns sind hier auch Motorradfahrer aus der Schweiz und aus Dänemark unterwegs. Nach unserer Pause sitzen wir wieder auf und wollen los, Odda wir kommen. Oder doch noch nicht? Ich starte mein Motorrad und will den ersten Gang einlegen, da klappert es neben mir auf dem Asphalt. Als ich nach unten schaue, liegt da meine Fußraste. Motorrad wieder aus, absteigen und ungläubig den Boden absuchen. Wie ist das passiert? Die Fußraste ist abgefallen und die Schraube lässt sich auch nach längerer Suche auf dem Rastplatz nicht finden. Na super! Thorsten hat zum Glück Kabelbinder im Gepäck und bringt die Fußraste einigermaßen in Position, sodass ich weiterfahren kann. Offensichtlich hat sich die Schraube los vibriert und ist unterwegs verloren gegangen. Zum Glück nur die Schraube. Die können wir leicht ersetzen. Nach der Verzögerung geht es endlich weiter Richtung Odda.

Die Fußraste hält durch bis zu unserem Ziel und wir haben an einer Tankstelle eine Ersatzschraube erworben. Leider begrüßt uns die kleine Stadt am Sjørfjord mit ungemütlichem, windigen Wetter.  Der Campingplatz unserer Wahl ist fast voll und wir kriegen gerade noch einen Platz fürs Zelt. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage macht uns auch keine Hoffnung. Wir verschieben eine Entscheidung bezüglich der Wanderung zur Trolltunga auf den nächsten Tag und verkriechen uns schnell ins nicht besonders warme Zelt. Wind und Regen halten die ganze Nacht über an. Das stimmt uns nicht optimistisch. Am nächsten Morgen bestätigt der Aushang am Campingplatz unsere Befürchtung. Das Wetter wird nicht besser und am Gipfel der Wanderung sind 4 Grad angesagt. Dafür sind wir nun gar nicht ausgerüstet. Regen und ein wenig frisch ist in Ordnung, aber für diese Temperaturen haben wir gar keine Ausrüstung dabei. Schon gar nicht um 12 Stunden herumzuwandern. Also keine Trolltunga für uns auf dieser Reise. Aber ein Grund, um nochmal wieder zu kommen.
Da uns nun nichts mehr in Odda hält, entscheiden wir uns spontan, direkt nach Bergen weiter zu fahren. Das soll die Regenhauptstadt Norwegens sein! Hier in Odda nass regnen lassen oder in Bergen - das macht auch keinen Unterschied. Und irgendwie fühlt es sich besser an aktiv zu sein, als auszuharren. Also gesagt, getan, Sachen packen und wieder los düsen. Die Fahrt nach Bergen ist mit 135 Kilometern quasi um die Ecke. Kurz nach der Abfahrt geht es in den für uns längsten Tunnel dieser Reise - der Folgefonntunnelen mit 11 Kilometern. Nicht besonders erstrebenswert für Motorradfahrer unter der Erde herumzufahren, aber wir kommen heil am anderen Ende wieder raus. Es folgen noch viele weitere Tunnel und irgendwann sind wir ziemlich froh darüber, denn es schüttet aus Eimern. Wir werden richtig nass und können auch der beeindruckenden Natur rechts und links von uns nichts mehr abgewinnen. Als der nächste Tunnel auftaucht, parken wir am Rand. Es ist kaum Verkehr. Niemand will bei dem Wetter vor die Tür. Wir sind offenbar die einzigen Verrückten, die auf der Straße rumgurken. - Und nutzen den Tunnel auf unsere Weise.

In Jordal überqueren wir den Hardangerfjord mit der Fähre. Die Fährfahrten hier in Norwegen sind immer wieder ein Erlebnis und eine willkommene Abwechslung. Auch eindeutig schöner als die Tunnelfahrten. Von Tørvikbygd brauchen wir nicht mehr lange und sind schon in Bergen an der Küste angelangt.

Bergen

Bergen ist die zweitgrößte Stadt Norwegens und hier ist richtig was los. Die Hurtigrutenschiffe haben hier ihren Ausgangspunkt und das Hanseviertel Bryggen (UNESCO-Weltkulturerbe) zieht ebenfalls viele Touristen und Besucher an. Die Stadt liegt eingerahmt von sieben Hügeln an der Westküste Norwegens und wird auch das „Tor zu den Fjorden“ genannt.
Da unser Campingplatz etwas außerhalb liegt, fahren mit dem Bus und der Straßenbahn in die City. Die Tickets kaufen wir im Supermarkt. Wir lassen uns sagen, dass es deutlich günstiger ist, als die Tickets beim Fahrer selbst zu kaufen. Warum auch immer. In Bergens Innenstadt angekommen, widmen wir uns erstmal dem Wichtigsten: Souvenirs kaufen. In jedem Land ist ein Aufkleber für unser Motorrad fällig und den haben wir für Norwegen noch nicht. Postkarten stehen ebenfalls auf der Liste. Und wo findest du die meisten Souvenirshops in Bergen? Genau, im Hafenviertel Bryggen. Auf dem Weg dorthin schlendern wir über den Fischmarkt. Hier riecht es zumindest für Fischliebhaber herrlich. Neben den üblichen Verdächtigen wird hier auch Walfleisch und ähnlich exotisches verkauft. Nichts für uns. Diese Tiere sehen wir lieber schwimmend im Meer.

Das Viertel Bryggen besticht vor allem durch seine schönen Holzhäuser direkt an der Hafenpromenade. Die UNESCO hat die 60 ehemaligen Hansekontore auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt. Nicht verwunderlich also, dass wir nicht die einzigen mit der Kamera hier sind. Trotz der vielen Touristen haben die Häuser und der Hafen seinen Charme. Wir schlendern durch die kleinen Gassen und an den schönen Schiffen vorbei, die hier vor Anker liegen. Praktisch, dass direkt am Ende der Hafenpromenade ein weiteres Highlight der Bergener Innenstadt liegt - die Festung Bergenhus. Sie ist eine der ältesten Festungen Norwegens und zeugt noch von der Zeit als Bergen Norwegens wichtigste Stadt war und hier der Königshof lag. Im 12. Jahrhundert wurde die Festung aufgebaut und immer wieder erweitert. Heute befinden sich in den Gebäuden hauptsächlich militärische Einrichtungen.
Hatte ich schon erwähnt, dass die Sonne scheint? Das ist in Bergen ganz und gar nicht selbstverständlich. Die Stadt gilt als die regenreichste Stadt Norwegens und Großstadt Europas. Wir Glückspilze schlendern hier im Sonnenschein umher.

Unser Spaziergang führt uns an der Marienkirche vorbei und wir können die Häuser des Hanseviertels von der Rückseite betrachten. In den kleinen Straßen findest du schöne Cafés und kleine Geschäfte. An der nächsten Ecke liegt der Eingang zur Standseilbahn, die zum Fløyen hochfährt. Dies ist einer der sieben Hügel rund um Bergen und wahrscheinlich die beliebteste Touristenattraktion hier. Der Fløyen ist 399 Metern hoch und vom Stadtzentrum schnell zu erreichen. Wir entscheiden uns aber für einen anderen Hausberg und zwar den Ulriken.

Der Ulriken ist mit 643 Metern der höchste der sieben Berge und für eine gute Aussicht gehen wir gerne hoch hinaus. Der Ulriken ist ebenfalls mit der Seilbahn erreichbar. Ein Ticket für die Fahrt mit der Ulriksbanen kostet 110 NOK (ca. 11,70 €) pro Person und Fahrt. Um unsere Reisekasse etwas zu schonen, laufen wir den Rückweg zu Fuß. 
Die Fahrt mit der Seilbahn bietet schon ein spektakuläres Panorama über Bergen und die vorgelagerten Schären. Noch besser wird es allerdings vom Gipfel. Die wunderschöne Aussicht, lässt uns staunen. Leider ist das Wetter nicht mehr ganz so fotofreundlich. Der Wind fegt ordentlich über uns hinweg und es ist ein wenig diesig. Ein paar Leute nutzen das Ziplining-Angebot. Für 350 NOK (ca. 37 €) kannst du zwischen zwei Hügeln hergleiten. Wir machen aber lieber eine kleine Wanderung am Ulriken und genießen noch ein wenig die Aussicht. Norwegen ist uns jetzt schon ans Herz gewachsen. Die Berge, das Meer und diese spektakulären Ausblicke - toll!

Der Weg bis ins Tal zurück ist nicht wirklich ein Spaziergang, es gibt viele rutschige Partien, an einigen Stellen musst du über Stock und Stein klettern. Es geht auf Waldwegen nach unten, wir treffen immer mal wieder auf die Schneise der Seilbahn. Es gibt auch eine Strecke für Crossbiker, ein paar kommen uns mit ihrem Fahrrad unterm Arm entgegen. Nach ungefähr einer Stunde sind wir an der Seilbahnstation angekommen und machen uns auf den Rückweg zur Bushaltestelle.

Fazit

für unseren Besuch in Bergen: spannende Stadt am Wasser, die vor allem für Natur- und Wanderfreunde viel zu bieten hat. Wenn du alle sieben Berge erkunden willst, hast du ein gutes Programm vor dir. Aber auch die historische Innenstadt und das Viertel Bryggen laden zum Wohlfühlen und Erkunden ein. Wir drücken dir die Daumen, dass du bei deinem Besuch in Bergen genauso trocken bleibst wie wir. Achja: die beste Wetterapp für Norwegen ist Yr. Lies noch mehr über Bergen auf der offiziellen Seite der Stadt.
Anja
Anja

Hey, ich bin Anja, 29 Jahre alt und seit Juni 2017 mit Thorsten und meiner Kawasaki auf Reisen. Meinen Job habe ich aufgegeben, um mich voll und ganz dem Reisen zu widmen. Auf unserem Blog Movin Minds schreibe ich die Texte und lasse dich so an unserem Abenteuer teilhaben.

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