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Schweden – Store Mosse und der Weg von West nach Ost

Der Store Mosse Nationalpark liegt mitten in Südschweden und ist das größte Moorgebiet hier. Um uns mal wieder ein wenig körperlich zu betätigen und die motorradmüden Glieder zu bewegen, wollen wir im Park wandern gehen. Unser Campingplatz Flatenbadet in Hillerstorp ist günstig und liegt nicht weit entfernt. Es gibt, wie fast immer in Schweden, einen schönen See, an dessen Ufer der Platz liegt. Wir haben die Campingwiese für uns allein. Wir gönnen uns noch ein Tagesabschlussbier und laden unseren ersten Schwedenbeitrag hoch. Im Urlaub kann nicht nur gefaulenzt werden. Am nächsten Tag brechen wir zeitig zum Nationalpark auf. Da wir die 7 Kilometer bis dort nicht laufen wollen, schnappen wir uns ein Motorrad, packen Getränke und Kameras ein und fahren heute ohne Schutzkleidung nur mit Helmen und Handschuhen bekleidet los. Die können wir dort an der Yamaha anketten und die Handschuhe in den Rucksack packen. Zum Glück ist es trocken und die Temperatur mit langer Hose und Jacke einigermaßen erträglich.
Den Store Mosse kannst du kostenlos besichtigen und zwischen verschiedenen Rundwanderwegen wählen. Wir sind ambitioniert und wählen die längste Runde um den See, die 14 Kilometer Kavsjönrund. Wenn schon, denn schon. Wir wollen den müden Muskeln heute ordentlich einheizen. Es ist nicht viel los, uns begegnen auf der Strecke nur wenige Menschen und wir genießen die Ruhe im Park. Der Weg führt durch die Kiefernwälder und über Holzstege durch das große Moorgebiet. Die Wolken lassen leider jedes Bild im grau versinken, uns gefällt es dennoch gut. Wer allerdings unüberlegter Weise ohne Wasser und Proviant los zieht, ist hier nicht gut bedient. Es gibt auf der ganzen Strecke kein Café oder ähnliches, sodass wir uns unsere 1,5 Liter gut einteilen müssen. Die Hütten, die wir nach der Hälfte des Weges erreichen, sind geschlossen. Im Sommer kann man sie als Gruppe mieten. Wir sind etwas enttäuscht und entsprechend unmotiviert gehen wir die letzten Kilometer an. Die ziehen sich ordentlich.

Den See sehen wir vom Rundweg kaum, dazu sind ein paar Umwege auf Seitenpfade nötig. Die Parklandschaft ist nach 3 Stunden doch etwas eintönig und wir haben Hunger. Schlechter Begleiter für eine solche Wanderung, aber das haben wir uns selbst zuzuschreiben. Da haben es die Ameisen, denen wir begegnen, deutlich besser, die sind hier im Waldparadies und bauen sich riesige Berge. Mir gehen diese locker bis zur Hüfte. Zurück in Hillerstorp sind wir müde und zufrieden. Der Nationalpark Store Mosse ist bei gutem Wetter und im Frühsommer, wenn alles sprießt und blüht, sicher ein Hingucker und für ausgedehnte Spaziergänge sehr gut geeignet.

Aus Thorsten's Reisetagebuch:

"Wir beginnen das Zelt aufzubauen, als es neben uns auf einmal "Rumms" macht. Wir sehen uns um, und da liegt das Moped auf der Seite. Mir schießt es durch den Kopf, dass die Dicke wohl vor uns ein Schläfchen machen will. Wie auch immer, die Ursache ist schnell ermittelt; ich hatte das gute Stück wohl auf einmal Maulwurf- oder Wühlmaustunnel abgestellt, was nicht klappen konnte. Auch dann nicht, wenn der Haupständer genutzt wird.
Der rechte Spiegel ist abgebrochen und die Cockpitverkleidung hat einen Riss. Somit wurde dieser bisher günstigste Campingplatz auf einmal zum teuersten. Ich bin froh, dass wir eine Rolle Panzerband eingesteckt haben, weil der Spiegel sehr schwer ist. Mit rund einem Meter davon wird der Spiegel fixiert. Ich kann zwar nicht mehr richtig nach hinten schauen (das ging vorher allerdings auch nicht so gut). Immerhin, die Optik stimmt wieder."
Unser Plan für die nächsten Tage ist, Richtung Stockholm zu fahren. Da das Wetter ziemlich zu wünschen übrig lässt, wollen wir so schnell wie möglich in wärmere Gefilde. Vimmerby, die Geburtsstadt von Astrid Lindgren, liegt auf dem Weg und wir machen hier als nächstes Station. Auf der Fahrt dort hin, kommen wir an Lönneberga vorbei und erinnern uns an Michels Streiche. Wie schön wäre es, die Gegend hier bei trockenem Wetter zu entdecken. Das ist uns nicht vergönnt, es schüttet ununterbrochen. In Vimmerby suchen wir uns daher ein preislich einigermaßen annehmbares Zimmer. Wir müssen uns dringend aufwärmen und unsere Packtaschen sowie Kleidung trocknen. Das erste Mal seit unserem Start liegen wir heute im richtigen Bett mit richtigem Dach über dem Kopf. Das tut sehr gut. Vor allem mit Blick auf die Zeltwiese, die schon ordentlich verschlammt ist. Der Regen will auch am nächsten Tag nicht aufhören und wir brechen wieder auf. Bei diesem Wetter lohnt eine weitere Nacht hier nicht. Nach einem kurzen Abstecher in die Innenstadt von Vimmerby sind wir wieder on tour. Unser treuer Begleiter der Regen ebenfalls.
Über Norrköping und Örebro landen wir auf dem bis jetzt schönsten Campingplatz unserer Reise: Hjälmargården am See Hjälmaren im Örtchen Vingåker. Der See ist der viertgrößte Schwedens und wir sind immer wieder beeindruckt, welch riesige Gewässer dieses Land zu bieten hat. Unser Zelt steht unweit des Sees, es gibt zwei kleine Strände und ein Café. Hier lässt es sich aushalten. Und, wir können es kaum fassen, die Sonne lässt sich immer wieder blicken. Kein Vergleich mit beständigen Sommertagen im Süden, aber einen Sonnenbrand bekomme ich hier trotzdem. Wir lassen es uns ein paar Tage richtig gut gehen, faulenzen in der Sonne, lesen, spazieren am See entlang, arbeiten am Blog und fühlen uns pudelwohl. Schweden zeigt sich hier von seiner malerischsten Seite. Der Sonnenuntergang ist atemberaubend und wir knipsen was das Zeug hält.
Zurück zum Zelt laufen wir durch ein kleines Waldstück. Thorsten hält mich plötzlich zurück und zeigt auf den Waldboden. Ich werde direkt ein wenig nervös, kleines Kriechgetier und Insekten mag ich überhaupt nicht. Vielleicht will er mich wieder nur ärgern. Ich schaue genauer hin und traue meinen Augen kaum - eine kleine Schlange liegt regungslos vor uns. Sie ist gut getarnt mit ihrer schwarzen Haut. Als wir uns bewegen - ich will etwas Abstand zwischen mich und das Tierchen bringen, wer weiß, was das für eine Sorte ist - flitzt sie blitzschnell los. Thorsten hechtet hinterher, die Kamera gezückt, das kann er sich nicht entgehen lassen. In freier Wildbahn habe ich einen Schlange noch nicht gesehen. Aber ich schaue sie mir auch lieber auf den Bildern näher an. Davon hat Thorsten nach ein paar Minuten genug im Kasten und wir lassen die Schlange von dannen ziehen. Ich hoffe nur, sie schaut nicht abends noch bei uns im Zelt vorbei und nascht von unserem Essen. In Schweden gibt es zwei Schlangenarten, die ungefährliche Ringelnatter und die giftige Kreuzotter. Wir hatten es hier zum Glück mit der harmlosen Variante zu tun.
Bevor wir am nächsten Tag nach Stockholm fahren, genießen wir an diesem idyllischen Ort die Sonne und sind dankbar, diese Reise machen zu können. Neben dem Spaß am Motorradfahren sind solche Orte der Grund, warum wir unterwegs sind und immer wieder neue Ecken eines Landes entdecken wollen. Wer also in Mittelschweden einen wirklich schönen Ort zum Entspannen sucht, ist am See Hjälmaren genau richtig.
Anja
Anja

Hey, ich bin Anja, 29 Jahre alt und seit Juni 2017 mit Thorsten und meiner Kawasaki auf Reisen. Meinen Job habe ich aufgegeben, um mich voll und ganz dem Reisen zu widmen. Auf unserem Blog Movin Minds schreibe ich die Texte und lasse dich so an unserem Abenteuer teilhaben.

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