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Schweden – Mittsommer in Lomma und Sightseeing in Göteborg

Schweden ist für Thorsten und mich eine Premiere. Als wir unsere Reise mit dem Motorrad geplant haben, wollten wir beide unbedingt in den Norden und die skandinavischen Länder bereisen. Schweden und vor allem Mittsommer, oder wie die Schweden sagen midsommar, wollten wir dort erleben. Das zweitgrößte Fest in Schweden wird immer an einem Samstag zwischen dem 20. und 26. Juni gefeiert, los geht es aber schon am Freitag, dem midsommarafton, dem Mittsommerabend. Als wir am Donnerstag, den 22. Juni, in Lomma, etwas nördlich von Malmö an der Küste, ankommen, ist anhand der Preise sofort klar, dass Mittsommer vor der Tür steht. Stolze 45 Euro soll es am Wochenende kosten, da wir nur einen Tag bleiben wollen, bekommen wir die Übernachtung zum „Schnäppchenpreis“ von 30 Euro. Wohlgemerkt im Zelt, das wir selbst mitbringen und auf einer Wiese, die noch ziemlich matschig werden soll.

Wir checken ein und sind froh, nach bisher 1.000 Kilometern und dem ungemütlichen Wetter uns gleich im Zelt zu verkriechen. Wir sind beide k.o. und das Wetter zehrt an den Nerven. Daher beschließen wir, unsere Tagesetappen zu reduzieren und nicht mehr bis abends auf dem Motorrad zu sitzen. Schließlich wollen wir auch etwas von der Gegend sehen, in der wir uns befinden. Wie auch bei vorherigen Reisen ist unser Tempo am Anfang immer zu fix und wir bekommen schlechte Laune. Zum Glück merken wir das schon nach einigen Tagen und können umplanen. Nun kommt uns zu Gute, dass wir keinen festen (Zeit-)Plan haben und frei entscheiden können, wann wir wo hinfahren. Somit ist auch die Entscheidung für einen weiteren Tag in Lomma schnell gefallen.

Der Campingplatz Habo Ljund liegt direkt am Wasser und vom Strand ist unser Zelt nur durch einen kleinen Deich getrennt. Am Freitag wird ab morgens schon fleißig für das Fest aufgebaut. Ein DJ beschallt den Platz mit schwedischen Songs und der Mittsommerbaum wird geschmückt. Der landet mittags auf der großen Wiese und alle ebenfalls hübsch geschmückten Schweden tanzen drum herum. Viele Kinder haben Trachten an und Blumenkränze im Haar. Trotz des düsteren Himmels ist die Stimmung ausgelassen und fröhlich. Abends spielt eine Liveband und es wird getanzt. Das schlechte Wetter hält hier niemanden vom Feiern ab. Als wir im Zelt liegen, geht es auch schon los, der Himmel hat die Schleusen geöffnet.

Am Morgen ist die Wiese ziemlich nass und matschig. Tiefe Furchen ziehen sich durch den Rasen. Wir laden auf und fahren langsam an. Ich schaffe es nicht bis zum Asphalt, meine Reifen drehen durch und schon liegt mein Motorrad mit mir im Dreck. Ich springe sofort auf, erschrocken versuche ich mit Thorsten das vollgepackte Motorrad wieder aufzurichten. Ziemlich schwer, mehr als 220 Kilo hoch zu hieven. Ergebnis: Spiegel, Scheibe und Taschen etwas verzogen, Lüftungsschlitz am Helm abgebrochen und das Visier zum Glück nur raus gesprungen. Mir ist nichts passiert. Nach dem nicht ganz geglückten Start in den Tag fahren wir los mit Kurs auf Göteborg.Ich fühle mich die nächsten Kilometer trotzdem unsicher und etwas wackelig auf meiner Kawasaki.

Als wir mittags die Ostsee wiedersehen, bin ich wieder ruhiger. Die Sonne lässt sich blicken und wir suchen uns einen Campingplatz in Varberg.Bei dem windigen Wetter sind viele Kitesurfer auf dem Wasser und der Platz ist sowieso voll, es ist ja midsommar. Heute merken wir nichts von den Feierlichkeiten.

In Göteborg haben wir uns einen citynahen Campingplatz ausgeguckt, denn wir wollen die Stadt zu Fuß und nicht auf 2 Rädern erkunden. Als wir ankommen, ist es mal wieder windig und frisch. Begrüßt werden wir von einem kleinen Hirsch, der nach einem kurzen Schreck schon wieder im Unterholz verschwindet. Auf dem Platz Lisebergsbyn können wir unser Zelt aufstellen, bekommen aber leider keine Stuga, so heißen die kleinen roten Hütten auf den Campingplätzen. Gerne hätten wir unsere Sachen getrocknet und gemütlich im Warmen übernachtet. Coldplay ist in der Stadt und daher ist alles ausgebucht. Wir bekommen zumindest die Musik umsonst dazu, im Zelt können wir jeden Song hören. Es regnet immer wieder und bis in die Nacht hinein.

Aus Thorstens Reisetagebuch:

"Gegen Abend [27.06.17] lerne ich Børger kennen. Der Norweger ist mit seinen Söhnen im Camper unterwegs. Er kommt gebürtig aus Bergen, wohnt derzeit mit Familie in Stavanger und spricht bemerkenswert gutes Deutsch. Er erklärt es mit einem längeren Aufenthalt in Stuttgart. So führen wir die Unterhaltung in einem bunten Mix aus deutsch und englisch.
Schnell entdecken wir eine Geistesverwandtschaft. Wir sind gleichaltrig. Ich erzähle von unserer Reisevorgeschichte und bemerke, dass seine Augen immer mehr zu leuchten beginnen. Er sagt, dass er sich so etwas auch vorstellen könnte, ja, dass es sein Wunsch wäre auch in die Welt hinaus zu ziehen. Er berichtet von seiner Frau, die vermutlich anderer Ansicht sein würde. Ich bedauere schon fast, dass wir morgen abreisen. Hätte mich gerne noch länger mit meinem neuen Bekannten unterhalten.
Am nächsten Morgen treffe ich Børger noch einmal. Ich verschenke den zweiten MovinMinds-Sticker. Er freut sich sichtlich und sucht einen passenden Platz an seinem Camper. Lieber Børger, denk bitte an das Foto!"

Göteborg

Die Innenstadt von Göteborg empfängt uns am nächsten Tag sonnig und wir laufen, nach der kurzen Fahrt mit der Straßenbahn, entspannt los. Der Rosengarten mit 2000 verschiedenen Gewächsen im Park Trädgårdsföreningen beeindruckt, die kleinen Flussarme, die sich durch die Stadt schlängeln, Lilla Bommen, der Hafen und das Kaffeehausviertel Haga gefallen uns sehr gut. Wir bekommen sogar etwas Veganes zu essen, bei Planet Vega, einer kleinen Bude am Ufer des Göta alv. Den Nachmittag verbringen wir dann mit langersehntem WLAN und windgeschützt in einem Café und sichten Fotos, schreiben für den Blog und beantworten Mails. Mit der Straßenbahn geht es zurück zum Campingplatz.

Noch einen weiteren Tag verbringen wir in der schönen Stadt im Westen Schwedens und kümmern uns um die Pflege der Motorräder. Die bringen uns schließlich von A nach B. Waschen ist dringend nötig, da wir nur wenige Klamotten dabei haben. Zum Glück scheint die Sonne und alles trocknet schnell. Für die kommenden Tage haben wir die Fahrt ins Landesinnere geplant und freuen uns, wenn dort der Wind nachlässt. Göteborg, unsere erste Großstadt Schwedens, eine klare Empfehlung von uns.

Nebenbei bemerkt

Albtraum für deutsche Marketingexperten?

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Wir haben sie trotzdem gekauft. Köstlich!
Kaka steht hier in Schweden für "Keks" oder "Kuchen".

Im Schlaraffenland!

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Diese Bars geibt es in vielen schwedischen Supermärkten. Hier ist die Auswahl besonders groß. 300 Sorten Süßkram!!! Lecker, lecker, lecker.

Nationalstolz

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Die Schweden sind stolz auf ihr Land und zeigen es an jeder Ecke. Ob als Wimpel oder Fahne, das blau-gelbe Tuch ist omnipräsent. Von uns ein klares "LIKE".

Starköltest

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"Starköl" ist die Bezeichnung für Bier mit mehr als 3,5 Umdrehungen. Ausschank und Verkauf sind stark reglementiert. Um ein "richtiges" Bier zu trinken musst du schon einmal ein paar Kilometer weiter laufen. Das "Lattöl" (Leichtbier bis 3,5%) gibt es in beinahe jedem Supermarkt. Mehr davon im nächsten Beitrag.
Ach ja, die Dame bevorzugt Mariestads, der Herr Norrland Guld.

Und im nächsten Beitrag?

Von Schlangen, fallsüchtigen Mopeds und Kosten.

Stay tuned.

Anja
Anja

Hey, ich bin Anja, 29 Jahre alt und seit Juni 2017 mit Thorsten und meiner Kawasaki auf Reisen. Meinen Job habe ich aufgegeben, um mich voll und ganz dem Reisen zu widmen. Auf unserem Blog Movin Minds schreibe ich die Texte und lasse dich so an unserem Abenteuer teilhaben.

2 Kommentare

  1. Heinrike sagt:

    Ihr Lieben, Danke, dass Ihr Eure spannenden Erlebnisse mit uns teilt! Ich hatte eine schöne Woche auf Sylt u pass viel auf Ella auf, damit Maike und Steve beim Umzug von Nele und Martin helfen können. Take care and Enjoy!! Eure Heinrike

    • Anja sagt:

      Liebe Heinrike, danke für die lieben Worte 🙂 Wir freuen uns, wenn dir unsere Beiträge gefallen. Bestell allen liebe Grüße und viel Spaß mit Ella.
      Anja & Thorsten

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